Enorme Hochwasserschäden bei fast 230  Anwesen in Anzenkirchen
 
Anzenkirchen. In mehr als 220 Wohnhäusern, dazu in über einem halben Dutzend ge-werblichen und landwirtschaftlichen Betrieben hat die verheerende Jahrtausendflut des Altbaches vom 1. Juni 2016 überwiegend beträchtliche Schäden angerichtet. Bei rund 140 davon stand das Wasser bis zu 1,80 Meter im Erdgeschoss, bei den restlichen Gebäuden liefen die Kellergeschosse voll. Auch ein Jahr danach ist in vielen Häusern des 1200-Einwohner-Dorfes noch Baustelle. Vielen älteren Hausbesitzern wurde der Lebensabend regelrecht weggeschwemmt.
Die Betroffenen haben deswegen aber nicht resigniert und schon am Tag darauf wieder für ein Leben nach der Katastrophe den Blick nach vorne gerichtet. Mit einer starken Dorfgemeinschaft, tatkräftig begleitet und unterstützt vom örtlichen Bürgerhilfe-Verein sowie von zahllosen Helfern und Spendern aus nah und fern, einhergehend mit der staatlichen Finanzhilfe wurde die Schadensbewältigung erträglicher gemacht.
Dennoch haben viele Flutopfer das einschneidende Ereignis noch nicht verarbeitet, in Sonderheit sicherlich jene, bei denen das Wohnhaus zu einem Abbruchobjekt wurde. Nach aktuellem Stand sind dies voraussichtlich bis zu zehn Gebäude am Ort, von denen mittlerweile drei abgebrochen wurden. Erst bei einem von diesem ist ein Neubau - an der Altbachstraße -  im Gange.
Renate Romberger errichtet dort zusammen mit ihrer Tochter Martina und deren Mann Markus Vogelhuber ein neues Wohnhaus, das sich gegenwärtig im Rohbaustadium befindet. Das aus Mitte der 1980-er Jahre stammende Wohngebäude war nicht mehr bewohnbar. Der Altbach hatte das Kellergeschoss voll unter Wasser gesetzt, mit der gravierenden Konsequenz, dass die Öltanks umkippten und ausliefen. Der Abbruch des Hauses, das Renate Romberger zusammen mit ihrem schon verstorbenen Ehemann Hermann gebaut hatte, war – wie sie sagt - für sie keine leichte Phase. Der Fortschritt der Arbeiten am Neubau, der einen längeren Genehmigungsvorlauf hatte, hat hier mittlerweile aber doch so manches vergessen lassen.
 
Trotzdem – so wie bei Renate Romberger ist der 1. Juni 2016 unauslöschlich in den Köpfen der Betroffenen festgesetzt. Die gewaltige Flut hat dazu geführt, dass bei vielen Anzenkirchnern die vollständige Wiederbewohnbarkeit ihres Hauses noch geraume Zeit dauern wird. Zu dieser massiven seelischen Belastung kommt verschiedentlich auch noch der finanzielle Druck hinzu.
Bei Schadenssummen, die vor allem bei den unmittelbaren Altbachanwohnern im Durchschnitt bei 160.000 Euro liegen, ergibt sich trotz der 80 Prozent-Förderung des Freistaates Bayern bei Gebäudeschäden ein nicht unerheblicher Eigenanteil. Hinzu kommt, dass der Hausrat zum größten Teil von den Geschädigten selbst zu tragen ist.
Weil es von Ministerpräsident Seehofer persönlich geheißen hatte „Alles wird bezahlt“ ist bei den Bescheiden des Landratsamtes die Ernüchterung groß, wenn beispielsweise ein Ehepaar  für den zerstörten, zumeist fast vollständig auf dem Müll gelandeten, Hausrat nur eine Pauschale von maximal 21.500 Euro erhält. Mit Spenden aus den verschiedensten Töpfen kann hier ein gewisser Ausgleich geschaffen werden. Es kann wohl nur in den wenigsten Fällen eine 100 Prozent-Deckung erreicht werden.
  • er
Bildtext:
1/ Abgebrochen werden musste das aus Mitte der 1980-er Jahre stammende Wohnhaus
   von Renate Romberger an der Altbachstraße.
2/ Der an gleicher Stelle entstehende Ersatzbau ist nach langer Vorlaufzeit inzwischen gut vorangekommen.   
Fotos: Reiter