ZWR: Brunnenbohrung Lehndobl wegen Versorgungssicherheit
Von Edwin Reiter
 
Anzenkirchen. In der Sitzung am kommenden Dienstag wird der Marktgemeinderat seine Stellungnahme zu der vom Zweckverband Wasserversorgung Rottal (ZWR) geplanten Bohrung von drei Tiefbrunnen im Bereich Lehndobl abgeben. Im Vorfeld waren viele von Gremiumsmitgliedern und Bürgern an den ZWR gestellte Fragen unbeantwortet geblieben, was zurückliegend zu einer zweimaligen Vertagung des Tagesordnungspunktes geführt hatte. Mit einem Bündel von Informationen, die von Vertretern von Ingenieurbüros und wasserwirtschaftliche Fachstellen bei einer Versammlung im Pfarrzentrum vermittelt wurden sollten letzte Unklarheiten beseitigt werden.
Vor allem, so ZWR-Vorsitzender Hermann Etzel, bei seinen einleitenden Worten, sollte hier „über alles geredet werden“ und Vorurteile abgebaut werden. Vordergründig solle der Marktgemeinderat, von dem 17 der 20 Mitglieder anwesend waren, überzeugt werden, dass die angestrebte Abteufung der Brunnen eine wichtige Maßnahme zur Sicherung der Wasserversorgung im Gebiet des ZWR sei.  
Uneingeschränkt auf dieser Linie ist der Standpunkt von Bürgermeister Walter Czech. Er sei von Anfang an für diese Maßnahme eingetreten und plädierte auch in seinem Schlusswort für ein „regionales Denken“. Eine Versorgungssicherheit wäre nur durch einen Verbund mit dem ZWR machbar, wobei er diesem und den anwesenden  Fachleuten der Wasserwirtschaft attestierte, dass diese alles versuchen würden, das Beste für die Region herauszuholen.
Was darunter zu verstehen ist, konnten die rund 70 Besucher aus den fachspezifischen Vorträgen der sechs Referenten am Podium entnehmen. Mehr als eine Stunde Zeit nahmen diese in Anspruch, wobei der Großteil der Ausführungen Wiederholung einer vom Zweckverband Anfang Mai gehaltenen Versammlung war (die PNP berichtete). Sie wurden lediglich mit Antworten auf damals, sowie ergänzend an den ZWR gestellte Fragen, angereichert.
 
ZWR-Werkleiter Markus Schmitz machte neuerlich klar, dass die Versorgungssicherheit die maßgebliche Zukunftsaufgabe sei. Wenn diese eingeschränkt sei, wie beispielsweise beim Brunnenstandort Egglham, dann müsse man nach Lösungen suchen.
Ulrich Hafen, dessen Ingenieurbüro in München eine Studie zur Erkundung einer neuen Anlage mit bis zu drei Brunnen erstellt hatte, erläuterte deren wesentliche Inhalte. Er nahm dabei auch Stellung zu dem vom ZWR favorisierten Standort Lehndobl, der bei einer voraussichtlichen Bohrtiefe von 200 Meter über eine Ergiebigkeit von10 bis 20 l/sec. verfü
gen würde. Seine Antwort auf eine Frage wegen der ZWR-Brunnenkonzentration südlich der Rott fiel insoweit zweifelsfrei aus: „Der Bereich Lehndobl ist die beste Möglichkeit um die drei Auftraggeber, ZWR, Stadt Pfarrkirchen und Markt Bad Birnbach bedienen zu können.“ Gefragt wurde in diesem Zusammenhang, welche Erkenntnisse sich aus den bisherigen Entnahmen aus den beiden ZWR-Brunnen in Anzenkirchen auf die dortige Grundwassersituation ergeben würden. Ulrich Hafen beantworte dies nach Präsentation der Pegelmessungen seit 1983 mit dem Fazit: „Große Beeinträchtigungen sind nicht feststellbar.“
Michael Reißnecker vom gleichnamigen Regensburger Ingenieurbüro veranschaulichte anhand einer grafischen Darstellung das Leitungsnetz des Zweckverbandes. Zusammenfassend kam er zu dem Ergebnis, je mehr Brunnen der Versorgungsträger besitze, umso schonender könne die Wasserverteilung erfolgen. 
Dipl. Geologe Dr. Dirk Eden vom Wasserwirtschaftsamt Deggendorf sagte, er habe seinen Ausführungen von der vorhergehenden Versammlungen eigentlich nichts hinzuzufügen.
Er wolle aber nochmals deutlich machen, dass er bei der geplanten Brunnenbohrung Lehndobl keinerlei Nachteile erkennen könne.
Die wiederholte Nennung des Namens Lehndobl als Brunnenstandort brachte den Besitzer des einzigen Anwesens, Walter Bachmaier, in Rage. Weil dies in keiner Weise zutreffend sei, wolle er dies nicht länger hinnehmen und überlege rechtliche Schritte gegen den ZWR. Verbandsvorsitzender Etzel versuchte dies zu entschuldigen: „Die Namensgebung war ein Kommunikationsfehler“.
In der Reihe der Vortragenden kam auch Werner Reichl vom Wasserwirtschaftsamt zu Wort. Auf einen Nenner gebracht werde das Vorhaben von den Grundzügen betrachtet positiv beurteilt. Er wurde auch mit einer Frage wegen etwaiger negativer Auswirkungen der vor Jahren stillgelegten, nahe gelegenen Mülldeponie Ottenöd konfrontiert. Reichl sah hier keine Probleme:“ Das ist überhaupt nicht relevant“. Gleiches gelte für die aufgelassene Bauschuttdeponie Staudenhäusl: “Da ist so viel Fleisch dazwischen, da kann nichts fehlen“.
 
Zu dem im Falle der Durchführung des ZWR-Vorhabens erforderlichen werdenden Ablauf des wasserrechtlichen Verfahrens wurden noch von Peter Hirmer vom Landratsamt nähere Ausführungen gemacht. Er werde aber keine Vorab-Einschätzung zu dessen Ausgang machen.
Zahlreiche Fragen der Anwesenden flossen in die Vorträge ein oder wurden im Anschluß daran gestellt. ZWR-Vorsitzender Etzel sprach abschließend die Hoffnung aus, dass die in dieser Veranstaltung gegebenen Informationen dazu beitragen würden, um die vorhandenen Bedenken ausräumen zu können.