Gewerbegebiet Furth: Kostenexplosion hat ihre Gründe
Von Edwin Reiter
 
Triftern. „Erschließung für das neue Gewerbegebiet Furth wird deutlich teurer“ – unter dieser Überschrift hatte die PNP über die Behandlung dieses Tagesordnungspunktes in der Augustsitzung des Marktgemeinderates berichtet. Die Kostenexplosion von im November 2017 veranschlagten 113.050 Euro auf die Mitte Mai in Auftrag gegebenen Bauarbeiten in Höhe von 662.198 Euro hatte nicht nur bei der Diskussion im Gremium Wellen geschlagen sondern auch danach in der Öffentlichkeit.
Dass die von ihm in der Sitzung vorgetragene Kostenentwicklung „hinten und vorne nicht zusammenpasse“, wie diese von seinem Marktratskollegen Hermann Ertl beurteilt worden sei, bedürfe einer Klarstellung, so Dipl. Ing. Helmut Weidacher. Er ist auch Geschäftsführer des Ingenieurbüros ING Burghausen, das vom Markt mit der Aufstellung des Gewerbegebiet-Bebauungsplanes und der Koordination der Gesamtmaßnahme beauftragt worden ist. In einem Gespräch mit der PNP stellte er zusammenfassend fest, dass sich die Kostensteigerungen aus Zwängen der örtlichen, wirtschaftlichen und genehmigungsrelevanten Bedingungen ergeben hätten.
Die Hauptursache für das Auseinanderdriften von der vorerwähnten Ursprungskalkulation über zwei weitere Kostenschätzungen mit 271.629 Euro (März 2018) und 540.085 Euro (Mai) bis hin zur Vergabesumme sieht Weidacher in vielen Auflagen der Fachstellen, die das Bauleitplanverfahren mit sich gebracht habe. Der Knackpunkt dabei sei vordergründig die Verlegung des Pechöder Grabens, für dessen Rückbau und Neuanlage sich mittlerweile schon über 248.000 Euro an Baukosten summieren.
Man dürfe hier aber nicht alleine diese hohen Kosten sehen, sondern auch die Vorteile, die mit dieser Maßnahme einhergehen würden. Die Grabenverlegung mache nämlich eine spätere Erweiterung des Gewerbegebietes in Richtung Nuppling möglich. Die Baukosten dürften deshalb nicht nur auf die jetzt zu bebauende Fläche von 3.500 Quadratmetern bezogen werden, sondern auch auf das dann hinzukommende Areal von rund 15.000 Quadratmetern, das zudem außerhalb des hochwassergefährdeten Bereiches liege, so Helmut Weidacher.
Wie er dazu weitere ausführte, werde mit dem Bau des neuen und der Erhaltung des alten Grabens nicht nur der Hochwasserabfluss verbessert, sondern auch der Hochwasserschutz für die Gebäude am westlichen Ortsrand von Furth. Ein weiteres Plus sei schließlich, dass der Graben im Bebauungsplanverfahren als Ausgleichsfläche für das Gewerbegebiet mitangesetzt werden konnte. Hierbei hätten sich zwar höhere Anforderungen eingestellt, andererseits habe sich der Markt aber das Geld für die Ausweisung weiterer Ausgleichsflächen erspart.
Erspart bleibt dem Markt auch, dass er – wie dies in der Sitzung von ihm, Weidacher, nicht differenziert dargelegt worden sei – die gesamten Erschließungskosten tragen müsse. Von den 662.198 Euro, mit denen die Firma Berger-Bau vom Marktgemeinderat den Zuschlag erhalten hatte, müssten aus der Gemeindekasse „nur“ 340.763 Euro (248.324 Euro für den Graben und 92.439 Euro für die Erschließungsstraße) bezahlt werden.
Der Rest entfalle auf die drei weiteren Beteiligten. So müssten von den Gemeindewerken (GWT) dabei 165.221 Euro für die Einrichtungen der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung aufgebracht werden. Schließlich seien in der Auftragssumme auch die Kosten der Fundamentierungsarbeiten für die beiden - in diesen Tagen begonnenen – Betriebsansiedlungen enthalten. Die daraus resultierende Kostenbeteiligung mache für die beiden Betriebe Berer und Waldhäusl insgesamt gut 156.000 Euro aus.
Zur Kernfrage, wie sich überhaupt die nunmehrigen hohen Baukosten eingestellt hätten, zu denen letztlich auch noch Ingenieurbüro- und Nebenkosten kämen, hat Dipl. Ing. Weidacher eine Vielzahl von Erklärungen parat. So habe die für die Aufstellung des Haushaltsplanes 2018 des Marktes ermittelte Erstkostenangabe von 113.050 Euro auf einer Planung basiert, bei der die Straße und die Gebäude auf der anderen Seite des Gewerbegrundstücks vorgesehen gewesen seien. Die dem gemäße Ausgangssituation sei eine Erschließung mit 60 Meter Straße sowie die Erstellung von Kanalisation und Wasserleitung gewesen.
Nach dem Bebauungsplanverfahren, dem Genehmigungsverfahren zur Verlegung des Pechöder Grabens und nach mehrmaligen Abstimmungsgesprächen mit den Fachbehörden habe, „eine völlig andere Planung umgesetzt werden müssen“. Die Bauleitplanung sei zudem für sämtliche anhängigen Genehmigungsverfahren aus Termingründen gleichzeitig durchgeführt worden.
Dies habe zur Folge gehabt, dass bei Änderungen bzw. Auflagen in einem Verfahren es immer zu Auswirkungen auf die anderen Abläufe gekommen sei. Es habe somit nur „just in time“ reagiert werden, blickt Weidacher auf diese komplizierte Abfolge zurück.
Nicht unerwähnt will er auch lassen, dass die Ingenieurbüro-Kalkulationen bei der Submission ein um mehr als 20 Prozent höheres Ergebnis gezeitigt hätten, bedingt durch die derzeitige Auslastung der Bauunternehmen.
Klarlegen will Helmut Weidacher abschließend noch die Aufgabenverteilungen bei den Planungsleistungen für die Baureifmachung des neuen Gewerbegebietes. Der Marktgemeinderat habe diese einem Dreierteam übertragen. Diesem würden neben seinem Büro ING Burghausen das Ing. Büro Altmannshofer, Pfarrkirchen, (Erschließung Straße, Wasser und Abwasser, sowie Umverlegung Graben) und Landschaftsarchitektin Ulla Klose-Dichtl (ergänzende ökologische Planung und Bauleitung für Umverlegung Graben) angehören.
 
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Die Erschließung des neuen Gewerbegebietes Furth hat das bisherige Terrain markant verändert, wie das mit einer Drohne aufgenommene Luftbild (Orthophoto) anschaulich verdeutlicht.
Foto: Büro ING Burghausen
 
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Warum sich die Baukosten für die Erschließung des Gewerbegebietes Furth so stark erhöht haben und was der Markt aufzubringen hat, erklärte Dipl. Ing. Helmut Weidacher (Bild) vor Ort bei einem Pressegespräch.
Foto: Reiter