Eine Leistungsturbine am Mühlbach in Anzenkirchen ist das Ziel
Von Edwin Reiter
 
Anzenkirchen. Sicherlich nicht allzu viele Dorfbewohner wissen, dass seit Herbst vergangenen Jahres einmal wöchentlich bis zu acht Studenten vom European Campus Rottal-Inn Pfarrkirchen der Techn. Hochschule Deggendorf am Gelände der ehemaligen Mühle sich mit der Nutzung der Wasserkraft beschäftigen. Zielsetzung ist es dabei, eine Leistungsturbine im Verlauf des Mühlbaches zur Erzeugung von Strom zu realisieren.
Genauer beschrieben soll diese dann nach Möglichkeit schon im Laufe dieses Jahres im ehemaligen Sägewerk eingebaut werden, das nun unter der Bezeichnung Mühlentechnikum firmiert. Eckart Lampe aus Brombach, der seit 2011 Eigentümer der gesamten Mühlengelände-Immobilie ist, hat diese Umformung zurückliegend vorgenommen. Der Geschäftsführer des Techn. Büros für Anlagenplanung (TBFA) ist seit den 1980-er Jahren mit Planungen von Kraftwerken im In- und Ausland beschäftigt. Seine umfassenden Fachkenntnisse auf diesem Gebiet waren dabei auch ausschlaggebend, dass der Campus Pfarrkirchen jetzt für den Bereich Wasserkraftnutzung gewissermaßen eine „Außenstelle“ in Anzenkirchen eingerichtet hat.
Ihren Ursprung hat diese in einer Informationsveranstaltung kurz vor dem Start des Campus Pfarrkirchen, zu der Eckart Lampe eingeladen worden war. Bei dieser war von TH-Präsidenten Prof. Sperber vorgetragen worden, dass der Bereich Energietechnik und Umwelt nach Pfarrkirchen komme und beabsichtigt sei auch ein Technikum zu errichten. Bei einem folgenden Gespräch mit dem Pfarrkirchner Campusleiter Prof. Dr. Kunhardt, führte Lampe aus, dass er in Anzenkirchen ein Technikum errichtet habe und insoweit gerne mit der Techn. Hochschule Entwicklungen vornehmen möchte.
Dies wurde dann bei einem Treffen vor Ort mit Prof. Sperber fix gemacht. Im Klartext heißt dies: der Campus Pfarrkirchen wird Studenten der vorerwähnten Fachrichtung nach Anzenkirchen delegieren, damit sie sich am dortigen Mühlentechnikum mit der Entwicklung
spezieller Turbinen beschäftigen können. Seit einigen Wochen ist diese Zusage auch in die Tat umgesetzt worden.
Studenten im 4. Semester, die u.a. aus Indien, Ägypten und China stammen, kommen jeweils am Mittwoch nach Anzenkirchen um praktische Kenntnisse unter Anleitung von Eckart Lampe, der nicht nur Ingenieur sondern auch Handwerksmeister ist, zu erlernen. Dabei wird nicht nur konstruiert, gezeichnet und gerechnet, sondern gleich auch der Prototyp einer Miniturbine erstellt. Diese wird unter verschiedensten Einsatzbedingungen im Verlauf des Mühlbaches eingesetzt. Einstellungen wie Anstellwinkel der Schaufeln, Wassermenge und Gefälle wird von den Studenten dauernd angepasst und probiert, um den besten Wirkungsgrad zu erzielen.
Was soll damit bezweckt werden? Von einem angeschlossenen Gleichstromgenerator wird erst Gleichstrom erzeugt, der dann in Wechselstrom umgeformt wird. Der Strom wird dann verbraucht oder später wieder in das Netz eingespeist. Vorerst wird alles noch mit dem Prototyp der Kleinturbine mit 20 cm Durchmesser ausprobiert. „Wenn diese optimiert ist, werden wir mit diesen Erfahrungen eine Leistungsturbine mit voraussichtlich 80 cm Durchmesser an gleicher Stelle realisieren“ schaut Eckart Lampe nach vorne. Vorläufig tritt allerdings eine kleine Unterbrechung in der Projektarbeit ein, weil für die Studenten jetzt die Klausuren Vorrang haben.
„Dann geht es aber gleich wieder weiter mit der Planung alternativer Wasserturbinen und weiteren Verfeinerungen“ sagt der engagierte Ingenieurunternehmer Lampe. Er freut sich besonders darüber, „dass die jungen Leute aus aller Welt so bei der Sache sind“. Zudem mache es ihm Spaß die Studenten richtig fachtechnisch zu fordern – natürlich in englischer Sprache.
 
Bildtext:
Studenten aus den verschiedensten Ländern vom European Campus Pfarrkirchen erlernen am Mühlentechnikum Anzenkirchen (rechts) unter Anleitung von Ingenieurunternehmer Eckart Lampe (links) neue Wege der Wasserkraftnutzung. Die Miniturbine im Wasserlauf ist der Prototyp für eine im Verlauf des Jahres zur Realisierung vorgesehene Leistungsturbine zur Stromerzeugung.
Foto: Reiter